Stephan Merkel, Gründer und Geschäftsführer der Valean Solutions GmbH: »Die PPWR ist im Kern eine Daten- und Informationsverordnung. Je besser Sie diese Daten digital strukturieren und abbilden, umso leichter gelingen die Prozessanpassungen im täglichen Geschäftsablauf.«
Die PPWR dreht sich auch um die physische Beschaffenheit von Verpackungen, weil kleinere und besser recycelbare Verpackungen oder Mehrwegverpackungen weniger Müll verursachen. Aber es geht auch darum, immer einen Verantwortlichen in der Lieferkette zu haben. In erster Linie einen Verantwortlichen für die Eigenschaften, die für die Verwertung und schonenden Rohstoffverbrauch entscheidend sind, und einen Verantwortlichen für die Entsorgung. Ersterer heißt „Erzeuger“ (englisch „manufacturer“), zweiterer „Hersteller“ (englisch „producer“). Die sprachliche Verwirrung, die diese Begriffe stiften, ist enorm. Das nebenbei bemerkt.
Die Rollenzuordnung ist aus mehreren Gründen nicht stabil, es muss also flexibel aus den Warenströmen ermittelt werden, welche Pflichten man hat. Dafür braucht man schon mal Daten aus der IT. Zudem ist die Datentiefe für das erforderliche Reporting hoch. Dokumente und E-Mails werden selten ausreichen. Je nach Verpackungsportfolio kann das sehr unübersichtlich werden. Wenn man außerdem steuern will, dass nichts in Verkehr gebracht wird, was nicht verstößt, muss man schon in die operativen Prozesse eingreifen, eben wegen der Komplexität bei den Lieferketten.
Stephan Merkel weiß, wie Digitalisierung in der Praxis funktioniert – und nicht nur auf dem Papier. Als Gründer und Geschäftsführer der Valean Solutions bringt er Unternehmen dahin, wo sie hingehören: ins digitale Zeitalter.
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Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, Risiken zu prüfen und sich daran zu orientieren. Das ist ein Grund, warum wir für Importeure eine besonders hohe Dringlichkeit sehen. Wenn der Zoll eine unzureichend gekennzeichnete Verpackung beanstandet, ist das sehr unangenehm. Eine fehlende Systembeteiligung fällt hingegen womöglich nicht so schnell auf. Allerdings sind offene Flanken immer auch im Hinblick auf Wettbewerber zu bewerten – je offensichtlicher, desto schlechter.
Wenn wir beraten, ist unser Fokus abgesehen davon immer, wie Compliance zur Selbstverständlichkeit wird, die sich kaum bemerkbar macht. Die Verpackungen selbst konform zu machen, z. B. durch Verbesserung der Recyclingfähigkeit oder Umstellung auf Mehrweg, ist nicht unser Thema. Wir fragen eher: Wenn ich meine Verpackungen künftig so kennzeichnen muss, dass ich als Erzeuger oder Importeur eindeutig genannt bin, wie ordne ich meine Prozesse, so dass keine Verpackung versehentlich ohne Kennzeichnung rein- oder rausgeht? Oder wenn ich verhindern will, dass wir in Länder liefern, in denen die Systembeteiligung noch nicht geklärt ist, wo im Verkaufsprozess muss ich eingreifen? Das lässt sich ja nicht auf Ebene des Produkts oder der Verpackung als eingekaufter Artikel regeln. Wir empfehlen deshalb keine statische Lieferketten-Betrachtung, sondern ein Durchdeklinieren der Cases: Ich kaufe Transportverpackungen, die für mich gelabelt sind, und versende Teile darin in ganz Europa und in Drittländer an Händler und an Endabnehmer. Ich nutze neutrale Mehrwegpaletten, Stretchfolie und Umreifungsbänder für den Transport in der DACH Region nur zu Händlern. Ich verkaufe in Deutschland Möbel, die ich in Polen kaufe, unter fremder Marke; ich verkaufe in Deutschland Möbel, die ich in Polen kaufe, als Eigenmarke. Nur als Beispiele.
Wenn wir alle Cases kennen, können wir prüfen, welche Rolle das Unternehmen jeweils hat und welche Pflichten damit verbunden sind, und ausgehend davon bewerten, ob die Systembeteiligung und die Konformitätserklärungen manuell zu bewältigen sind oder ob Anpassungen in der IT sinnvoll sind. Oder ob ein Prozess etabliert werden soll, der Lücken in der Kennzeichnung schließt. Schließlich ist der Austausch der relevanten Daten entlang der Lieferkette über kurz oder lang das Thema, das viel Aufmerksamkeit verdient. Die Öko-Design Verordnung legt nahe, Verpackungen wie Produkte zu behandeln und die Daten-Logistik mit dem DPP zu vereinheitlichen. Jeder Schritt in diese Richtung bedeutet, vorne mit dabei zu sein. Zum Start lohnt sich aber auch ein Blick auf den GS1-Vorschlag.
Natürlich ist die Konformität der Verpackung selbst das Thema, um das es dem Gesetzgeber eigentlich geht, neben der Stärkung des Verursacherprinzips. Hier ändert sich aber für die meisten zunächst nicht viel, weil Schwermetalle und PFAS sowieso kaum einer verwenden dürfte. Die Idee ist nach meinem Verständnis: Wer für eine Verpackung verantwortlich ist, beginnt mit der Konformitätserklärung und entwickelt darüber ein Bewusstsein, was noch auf ihn zukommt. Außerdem ordnet er seine Prozesse so, dass er die schrittweisen Verschärfungen bewältigen kann.
Wie gesagt sehen wir in der PPWR die Chance, einen ersten Schritt Richtung Öko-Design Verordnung zu machen. Aber auch Unternehmen, die „nur“ den Datenaustausch mit Lieferanten und Abnehmern anlässlich der Verordnung weiter digitalisieren, tun sich in meinen Augen einen Gefallen. Es ist schon erstaunlich, wie dominant E-Mail und Dokument-Anhänge noch sind. Ich persönlich glaube, nur digitalisierte Lieferketten werden in der EU bestehen.
Für die Außenwirkung als nachhaltiges Unternehmen ist in meinen Augen über die Verpackung wenig zu holen, auch wenn ich persönlich das schade finde. Schon eher werden Kreisläufe gestärkt. Manche Unternehmen nutzen den Anlass, um die Prozesse mit ihren Lieferanten zu vereinheitlichen. Ich will aber ehrlich sein: Ich habe bisher mit keinem Unternehmen gesprochen, das in der Verpackung wirklich einen Hebel für mehr Effizienz oder Kostensenkung sieht. Also kann die PPWR am ehesten sinnvoll als Digitalisierungsmotor genutzt werden.
So machen Sie aus der Verpackungsverodnung ein Geschenk für Ihr Unternehmen. [Bild: pixabay|MotazPhotography]
Das ist eine gute Frage in einer Zeit großer Ernüchterung. Omnibus und das EUDR-Desaster haben das Vertrauen, dass die Regulierung ernst gemeint ist, vollkommen zerstört. Der Frust, umsonst investiert zu haben, macht es nicht leicht, sich auf die Chancen zu konzentrieren. Ich verstehe sehr gut, wenn Unternehmen sagen: Ich mache das Allernötigste zum spätest-möglichen Zeitpunkt.
Das führt aber auch zur Zersplitterung. “Wir brauchen eine Lösung für das LkSG oder die CSRD. Wir brauchen eine Lösung für CBAM. Wir brauchen eine Lösung für die Batterieverordnung; für CCF/PCF; für die PPWR; für die EUDR” – you name it. Dann kommen die Tool-Provider und sagen: Mit unserem Hub bekommst du alles. Das ist verlockend, aber es ist keine Strategie.
Ich sehe eine Parallele zur Software in Automotive. Als ich vor 20 Jahren Software für Autohersteller geschrieben habe, war das große Thema: Wir müssen das Auto als Softwaresystem betrachten. 90% der Innovationen werden Software-Innovationen sein! Natürlich gab es schon Steuergeräte, aber die wurden bis dahin als Hardware behandelt. Das war eine riesige Transformation, die den Blick total verändert hat. Heute ist daran nichts Besonderes mehr.
Etwas Vergleichbares stelle ich mir im Bereich Lieferketten vor. Kreislaufwirtschaft ist in erster Linie ein Informationsproblem. Die Berichtspflichten sind sinnvoll, weil dadurch Bewusstsein entsteht. Aber Lieferketten, die zugleich resilient und ressourcenschonend sind, sind eine ganz andere Herausforderung. Wenn wir als Planet die Kurve kriegen wollen, müssen wir die meistern, und Europa kann hier vorangehen. China stellt übrigens auch immer höhere Anforderungen. Insofern ist eine Strategie, die Nachhaltigkeit und Resilienz vereint, der Wettbewerbsvorteil von morgen.
Eine Unternehmensbefragung von Herbst 2024 hat ergeben, dass sich die große Mehrheit der deutschen Industrieunternehmen bei der Digitalisierung noch im Rückstand befindet. Nur etwa ein Drittel besitzt überhaupt eine Digitalisierungsstrategie, weniger als ein Viertel eine Nachhaltigkeitsstrategie – und lediglich jedes zehnte Unternehmen verbindet beide Themen strategisch. Nur 10%!
Noch weniger tauschen Daten über Umweltauswirkungen in der Wertschöpfungskette aus. Man könnte also sagen: Wer jetzt gezielt handelt, hebt sich schon dadurch von der breiten Masse ab.
Eine andere interessante Erkenntnis war, dass Unternehmen den digitalen Produktpass umso mehr als bürokratische Hürde einschätzen, je weniger sie darüber wissen. Andersrum könnte man sagen: wer sich damit beschäftigt, verliert die Furcht. Insofern wäre das doch ein sinnvoller erster Schritt, oder? Denn eine wichtige Erkenntnis der Studie ist auch: Unternehmen, die versuchen, alles auf einmal zu verändern, bleiben häufig bei der Planung stecken. Also eins nach dem anderen.
In der Automotive Industrie war der Shift damals ungefähr so: Dass ein Steuergerät ein Software-Update bekommt, ist nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Vielleicht stehen wir bald an dem Punkt: der digitale Datenaustausch entlang der Wertschöpfungskette ist nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Und wer sich mit dem DPP beschäftigt, bringt die neue Normalität auf die Tagesordnung.
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